
Wo Verlust und Hoffnung Hand in Hand gehen: Geschichten aus Al-Fashir
Seit drei Jahren herrscht im Sudan ein erbitterter und brutaler Krieg. Das bedeutet für Millionen Menschen seitr drei Jahren Verlust, Gewalt und Unsicherheit. In Teilen des Landes wurde eine Hungersnot ausgerufen, vielerorts sind ganze Familien entwurzelt und bereits mehrfach vertrieben worden - immer auf der Flucht vor der Gewalt.
Lage in Al-Fashir eskalierte - Hunderttausende flohen
Leider erfährt der Sudan und der Krieg international nicht ausreichend Aufmerksamkeit. Im letzten Jahr war dies für einen kurzen Augenblick anders, als in der Stadt Al-Fashir die Lage außer Kontrolle geriet. Es wurden medizinische Einrichtungen angegriffen, Verkehrtswege waren unpassierbar. Zehntausende Menschen verließen die Stadt aus Angst vor der ausufernden Gewalt.
Viele von ihnen erreichen nach Tagen der Flucht völlig entkräftet Orte wie Tawila, Golo oder Rokero. Auch hier war die Lage schwierig. Sie kamen in provisorischen Camps unter, wo das Nötigste immer fehlt. Sauberes Wasser, ausreichend Nahrung und funktionierende sanitäre Einrichtungen sind kaum vorhanden.
Umso beeindruckender ist es, wie die Menschen sich ihren Weg zurück ins Leben kämpfen. Indem sie anderen helfen oder sie weiter ihren Beruf ausüben. Indem sie versuchen in all dem Horror ein Stück Hoffnung zu erhalten.
Das sind einige ihrer Geschichten:
Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Al-Fashir flohen Tausende mit nichts als dem, was sie tragen konnten, nach Tawila, Golo oder Rokero. Viele kamen traumatisiert, trauernd und hungrig an und hatten nichts mehr von dem Leben, das sie einst kannten. Doch einigen versuchen einen Weg zurück in den Alltag zu finden - indem sie anderen helfen.

Bild 1 von 9 | Amina (rechts) ist Hebamme und übt ihren Job leidenschaftlich aus. Nachdem sie aufgrund der Angriffe aus Al-Fashir fliehen musste, wollte sie ihren Job weiter ausführen. "Viele Kinder sind unterwegs gestorben", berichtet Amina, "Ich traf eine schwangere Frau, die eigentlich vier Kinder hatte. Sie kam an und hatte nur noch das ungeborene Kind in ihrem Bauch." Das motivierte Amina, weiterhin als Hebamme zu arbeiten und Mütter dabei zu unterstützen, ihre Babys sicher zur Welt zu bringen. "Ich habe noch etwas zu geben, auch nachdem ich alles verloren habe", sagt sie. In einer Gesundheitseinrichtung bietet Amina vor- und nachgeburtliche Betreuung an, unterstützt sichere Entbindungen, führt Aufklärungssitzungen zum Thema Ernährung durch und sorgt dafür, dass schwangere und stillende Frauen wichtige Medikamente und Vitamine erhalten.
© UNICEF/UNI941774/Jamal
Bild 2 von 9 | Amina sorgt sich um viele der Frauen: "Die Frauen kommen erschöpft, hungrig und verängstigt an" erklärt sie. "Viele kommen aus dem Lager Zamzam. Sie haben keine Unterkunft, keine Decken, nichts, um ihre Neugeborenen einzuwickeln." Vor allem die Frauen, die dann in die Camps zurückkehren bereiten ihr Sorge: "Die überfüllten Unterkünfte und die kalten Nächte stellen eine ernsthafte Gefahr für Neugeborene dar." Am Ende jedes Tages geht Amina nach Hause zu ihren eigenen Kindern und teilt die gleiche Unsicherheit wie die Familien, denen sie hilft. Doch jeden Morgen kehrt sie zurück. Inmitten von Verlust und Vertreibung bringt Amina nicht nur Babys zur Welt, sie bringt Gesundheit und Hoffnung.
© UNICEF/UNI941778/Jamal
Bild 3 von 9 | Wie viele Familien wurde auch Latifa mehrfach vertrieben, bevor sie vor vier Monaten in Tawila ankam. Seitdem engagiert sie sich ehrenamtlich in einem sicheren Lernraum von UNICEF und unterstützt dort vom Konflikt betroffene Kinder. Jeden Tag erlebt Latifa Angst, Trauma, Verlust und Schmerz durch die Augen der Kinder, die sie betreut. Doch es motiviert sie, dass ihre tägliche Unterstützung zu deren Genesungsprozess beiträgt. "Dieser Ort bedeutet Sicherheit, Fürsorge und Liebe für diese vertriebenen Kinder. Sie haben in ihrem jungen Alter schon so viel erlebt", sagt sie.
© UNICEF/UNI941833/Jamal

Bild 4 von 9 | Die kurze Zeit, die sie im sicheren Lernraum verbringen, schenkt den Kindern Freude und Glück. "Sie haben so viele Erinnerungen an Gewalt", sagt Latifa. "Sie brauchen Unterstützung und Dinge, die sie an ihre Kindheit erinnern, wie Spiele und Spielzeug. Sie verändern sich völlig, nachdem sie hierhergekommen sind." Da sie selbst Verlust und Vertreibung erlebt hat, versteht Latifa den Schmerz der Kinder und hat sich geschworen, einen sicheren Ort zu schaffen, an dem Kinder sich austauschen, spielen, neue Bindungen knüpfen und dabei heilen können.
© UNICEF/UNI941832/Jamal
Bild 5 von 9 | Alawiya und ihre Kinder sind aus Al-Fashir vertrieben worden. Tagsüber ist die Schule ihr Arbeitsplatz, nachts ist sie ihr Zuhause. "Ich war auf der Straße und habe in einem Klassenzimmer Unterkunft gefunden", sagt sie. "Ich schlafe im Klassenzimmer und gehe früh morgens hinaus, um Tee zu trinken, mich umzuziehen und dann ins Klassenzimmer zurückzukehren, um zu unterrichten."
© UNICEF/UNI918148/Jamal
Bild 6 von 9 | "Ich sehe, dass alle Vertriebenen, die denselben Weg gegangen sind, dasselbe Problem durchgemacht haben wie ich", erzählt Alawiya. "Es ist schmerzhaft für uns. Aber wir trösten uns gegenseitig." Das Lehren gibt ihr einen Alltag und macht ihr Hoffnung. "Bildung ist wichtig im Leben jedes Einzelnen und im Leben der Gemeinschaften. Um aus dieser tragischen Situation herauszukommen, gibt es keinen anderen Weg als durch Bildung." Sie ist sich sicher: "Und durch Bildung wird Frieden herrschen."
© UNICEF/UNI918153/Jamal
Bild 7 von 9 | Über 1.200 Schüler, darunter 400 Binnenflüchtlingskinder aus Al-Fashir und Tawila, lernen an der Schule, die auch als Zufluchtsort für durch den Konflikt vertriebene Familien dient. Bildung ist für die Zukunft der Kinder von immenser Wichtigkeit, denn nur so haben sie die Chance auf eine gut bezahlte Arbeit. Zudem dienen Schulen ihnen als Ort des Miteinanders, des Vertrauens, des Spielens und Austauschs - insbesondere in Zeiten des Krieges und nach all dem Grausamen, dass sie erlitten haben.
© UNICEF/UNI918156/Jamal
Bild 8 von 9 | Fadeela Ahmed ist Ernährungsberaterin und spricht in Golo, in der Region Darfur, täglich mit Müttern über die Ernährung ihrer Kinder und untersucht sie auf Mangelernährung. Sie arbeitet in einer von UNICEF unterstützen Gesundheitseinrichtung, in der vertrieben Familien Zugang zu medizinischer Versorgung haben. "Ich laufe jeden Tag 45 Minuten, um hierher zu kommen. Wenn wir zu Ernährungsberatungen gerufen werden, können wir nicht nein sagen, weil wir den Schmerz dieser Mütter spüren. Ich bin Mutter von fünf Kindern, meine jüngste Tochter ist fast zwei Jahre alt, und ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn sie lebensrettende Hilfe bräuchte."
© UNICEF/UNI939216/Jamal
Bild 9 von 9 | Jeden Tag sieht sie wie Mütter und Kinder um ihr Leben kämpfen. "Wenn sie ankommen, sind die Mütter so unterernährt, körperlich erschöpft und traumatisiert, dass ihre Muttermilch versiegt und sie nicht stillen können. Das verschlimmert den sich verschlechternden Ernährungszustand ihrer Kinder noch weiter." So wurde im Norden Darfurs im November 2025 eine Hungersnot festgestellt, die Lage ist in der ganzen Region weiterhin dramatisch.
© UNICEF/UNI939222/Jamal